Dienstag, 27. Dezember 2011

Moira Young: Dustlands - Die Entführung



Originaltitel: Blood Red Road
Übersetzerin: Alice Jakubeit
Hardcover, 450 Seiten
Fischer FJB, 2011
ISBN: 978-3-8414-2142-5
Band 1 der Dustlands-Trilogie

Beschreibung:
Saba wächst am einsamen Silverlake auf, in einer Welt, in der nichts mehr so ist, wie es einmal war. Als bewaffnete Reiter ihren Vater töten und ihren Zwillingsbruder Lugh entführen, schwört sie ihn zu finden. Sie macht sich auf den Weg durch Wüste und Berge nach Hopetown, wo nackter Terror herrscht. Saba wird brutal gefangen genommen und muss in einer Arena kämpfen, denn von ihrem Überleben hängt alles ab.

Erste Sätze:
Es ist ein heißer Tag. So heiß und trocken, dass ich nur Staub schmeck. Die Sorte weißglühender Tag, wenn man die Erde aufreißen hören kann.

Meine Meinung:
Jahrelang leben Saba, Lugh und Emmi mit ihrem Vater am Silverlake und sehen kaum einen Menschen. Doch direkt nach einem der schlimmsten Sandstürme tauchen mehrere bedrohliche Reiter auf, entführen Lugh und töten dabei den Vater der Kinder.
Saba beschließt ihren Zwillingsbruder zu finden und zu befreien. Sie bringt Emmi zu entfernten Freunden und macht sich auf den Weg durch die Wüste nach Hopetown, der nächsten großen Stadt, in der sie am ehesten einen Hinweis auf Lughs Verbleiben finden kann. Doch schon in der Wüste warten eine neue unliebsame Überraschung auf sie, die ihre Pläne umwerfen wird. Wird sie es schaffen Lugh zu finden, bevor es zu spät ist?

Das Besondere an dem Buch ist wohl sein Schreibstil. Saba, aus deren Sicht erzählt wird, ist nicht sonderlich gebildet. Sie kann weder lesen und schreiben. Und so erzählt sie in dem Buch auch genauso, wie sie es mündlich erzählen würde. Ohne Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede, bei Verben fehlt das Endungs-e am Ende. Alles sehr umgangssprachlich, einfach.
Mich hat es nach ein paar Irritationen am Anfang des Buches nie gestört beziehungsweise ich hab es irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen und auch bei Dialogen war mich immer klar wer nun wann spricht. Die Autorin schafft es also problemlos jeder Figur ihre eigenen Nuancen zu geben, so dass sie zu erkennen sind.
Beindruckt hat mich aber auch Sabas Entwicklung. Am Anfang des Buches hielt ich sie vor allem für egozentrisch und recht gefühllos und sie war mir alles andere als sympathisch. Und auch wenn ich bis zum Schluss einige ihrer Gedanken und Handlungen immer noch nicht verstehe, so ist sie doch viel liebenswerter geworden und hat auch deutlich an Reife gewonnen, besonders was soziale Kontakte zu , und da speziell die Beziehung zu Emmi, angeht.

Etwas gestört hat mich dagegen, wie wenig man von der Welt, in der Saba und die anderen leben, im gesellschaftlich-politischen Sinn erfährt. Und vor allem das nichts darüber ausgesagt wird, wie es dazu kam. Allerdings muss ich auch zugeben, dass es für die Handlung an sich nicht nötig ist, dafür muss man einfach akzeptieren, dass die Welt zu dem Zeitpunkt nun mal so ist. Aber die Unterschiede zu unserer jetzigen Welt (die Handlung spielt irgendwann in der Zukunft) sind einfach so gravierend, dass ich das gern erfahren hätte.
Ud ich fand die Mystik um den Herzstein irgendwie fehl am Platz. Die Idee hat sicher viel Potential und grundsätzlich finde ich sie auch toll, aber der Rest der Handlung ist so frei von derartigem und einfach so nüchtern und unmagisch, dass für mich dieser Herzstern nicht passte.
Auch die Kampfszenen fand ich im Vergleich zu den restlichen Szenen etwas zu kurz abgehandelt. Besonders die in Freedom Fields. Das ging so schnell von einem Extrem ins andere über, dass ich beim ersten Lesen gar nicht mitbekomme hab, wieso genau. Da wäre für mich etwas mehr Detailliertheit und Länge besser gewesen. Andere Szenen fand ich dagegen etwas konstruiert, wie zum Beispiel die mit Helen in Hopetown. Natürlich war sie notwendig um die Handlung in die richtige Richtung zu bringen, aber in der Form fand ich sie nicht wirklich natürlich in die Handlung eingebunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Saba genau dort und unter derartigen Umständen die einzige Person mit dieser hilfreichen und dringend benötigten Information trifft, ist in meinem Augen doch sehr, sehr gering.

Insgesamt ein spannender Roman und guter Auftakt einer Trilogie, den ich gern gelesen hab auch wenn er einige kleinere Schwächen hat. Und der einen recht runden Schluss hat ohne riesigen Cliffhanger, was das Warten auf den nächsten band doch entspannt, auch wenn es natürlich einige lose Fäden gibt.
Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass andere einige Schwierigkeiten mit dem eher ungewöhnlichen Schreibstil haben. Ich würde daher empfehlen vor dem Kauf eine Leseprobe zu suchen oder einfach im Handel mal in das Buch zu schauen.



Vielen Dank an Blog dein Buch für das Exemplar.Eine Leseprobe findet sich beispielsweise bei Thalia.

2 Kommentare:

Charlousie hat gesagt…

Bei jeder Rezension, die ich lese, werde ich daran erinnert, wie SEHR ich dieses Buch einfach liebe! ;-)
Ich fand das mit dem HERZSTEIN einfach toll, sowie das gesamte Buch... *seufz* grandios!
Lg,
Charlousie

Mailin hat gesagt…

Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Eindrücke beim Lesen sein können (was ja auch super ist). Ich fand das Buch auch gut und im Großen und Ganzen gelungen, aber nicht so herausragend oder besonders wie du.