
Taschenbuch, 737 Seiten
Lübbe 1991
ISBN: 3-404-12060-4
Beschreibung:
Im Jahre des Herrn 1244. Vom fernen Sizilien aus herrscht Friedrich II., der Staufer, über das Heilige Römische Reich. Im ewigen Rom regiert Innozenz IV. eine Kirche, die sich immer mehr in weltliche Politik verstrickt. In dieser Lage folgt Ludwig IX. von Frankreich dem Ruf des Papstes und sendet ein Heer gegen den Montségur, die unbezwingbare Ketzerburg im Languedoc. In einer dunklen und stürmischen Nacht werden zwei Kinder an Seilen an der Mauerkrone herabgelassen. Sie sind die Erben des Gral. Ihr Königtum könnte die Weltreligionen vereinen - doch können zwei Kinder eine solche Krone tragen, ohne davon erdrückt zu werden? Einen Schutzengel indes haben sie: William von Roebruk, ein dralles Bauernschlitzohr. Als Held wider Willen gerät der kleine Franziskaner in eine tödliche Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Kurie, zwischen christlichen Rittern und islamischen Assassinen um imperiale Machtinteressen und einen großen Plan.
Erste Sätze:
Goldglühendes Licht einer für mich schon versunkenen Abendsonne lag noch auf der Ketzerfeste, als wolle Gott sie für unser Auge noch einmal emporheben in ihrer Verderbtheit, bevor sein Zorn sie zerschmettern würde als Strafe für ihre Sünden. Wir waren eben erst am Fuße des Pog eingetroffen, und bei uns unten im Tal herrschten schon die schwarzvioletten Schatten der schnell hereinbrechenden Nacht. So trat mir der Montségur ein erstes Mal entgegen, und ich erschauerte ungewollt, ärgerlich über mich selbst.
Meine Meinung:
Franziskanermönch William begleitet als kirchlicher Beistand Ritter bei der Erstürmung des Montsegur. Durch seine Neugier wird er gegen seinen Willen in die erfolgreiche Rettung zweier Kinder aus der Burg verwickelt und macht sich so auf eine Reise durch ganz Europa und darüber hinaus. Denn an diesem Kinderpärchen sind viele Mächte des Mittelalters interessiert, soll ihre Abstammung doch höchst edel sein. Doch nicht alle sind den Kindern und damit auch ihrem Begleiter William wohl gesinnt.
Der Autor hat hier eine interessante Geschichte geschaffen, in der er sehr gelungen historische Personen und Ereignisse mit seiner fiktiven Handlung verwebt. Ohne große Geschichtskenntnis (oder dauerndes Blättern zu dem lobenswerterweise sehr ausführlichen Anhang am Buchende) ist es oft nicht zu sagen ist, was nun wirklich passiert ist und was nur der Phantasie des Autors entsprungen ist.
Die Sprache ist derb bis stellenweise hin zum wirklich vulgären, da wird kein Blatt vor den Mund genommen, aber es passt in diesem Buch irgendwie.
Stellenweise mehr als leicht unglaubwürdig fand ich dagegen die Entwicklung von Roc und Yeza. Für mein Gefühl verhalten sie sich in manchen Bereichen deutlich teenagerhaft und damit älter, als sie eigentlich sind.
Auch fiel es mir gerade am Anfang schwer die ganzen Ritter auseinanderzuhalten und mir zu merken, wer wem angehört. Das wird aber mit der Zeit besser, weil die Anzahl der Personen mit einer Verlagerung des Handlungsortes weg vom Montsegur deutlich kleiner wird.
Am meisten aber gestört haben mich die vielzählig eingestreuten Satzfetzen und Wörter in den verschiedensten Sprachen. Nicht mal weil ich sie nicht auf Anhieb verstehen konnte und meist zu faul war im Anhang nachzuschlagen, sondern einfach weil ich den Sinn dahinter nicht kapiere. Normalerweise würden ja die ganzen Dialoge in ebendiesen Sprachen gesprochen werden und nicht nur winzige Teile davon - aber der Rest wurde ins Deutsche "übersetzt". Warum dann nicht alles? Der aufmerksame Leser merkt auch so, dass dieses Gespräch nicht in Deutschland stattfindet.
Ein spannender Roman, der mich auch beim mehrmaligen Lesen sehr gut unterhalten hat, aber auch seine Schwächen hat. Doch für mich überwiegen die positiven Seiten und ich freu mich schon darauf die Folgebände zu lesen.
Vor einer Stunde

1 Kommentare:
Hallo!
Dein Blog ist wirklich richtig schön :)
Ich bin jetzt regelmäßige Leserin, es würde mich sehr freuen, wenn du auch auf meinem Blog vorbeischaust.
LG und schöne Feiertage
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