Sonntag, 15. Januar 2012

Barry Eisler: Tokio Killer 1 - Der erste Auftrag



Originaltitel: Rain Fall
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Taschenbuch, 317 Seiten
Fischer, 2003
ISBN: 978-3-8174-8609-0
Band 1 der Tokio Killer - Reihe

Beschreibung:
John Rain ist halb Amerikaner, halb Japaner. Sein wahres Ich jedoch fristet ein Schattendasein im Verborgenen: Als Auftragskiller im geheimen Dienst der japanischen Regierung verkörpert er Samurai und Ronin in einem. In ständigem Zwiespalt mit sich selbst gehorcht Rain nur seinen eigenen, strengen Regeln.
Für seinen Auftraggeber begeht er den perfekten Mord: Er lässt sein Opfer in der Tokioter U-Bahn an einem Herzinfarkt sterben. Doch die Begleitumstände machen ihn stutzig. Wurde er beobachtet? War sein Auftrag eine Falle? Mithilfe der Tochter des Toten, der attraktiven Jazzpianistin Midori, erkennt er seine lebensgefährliche Rolle im intriganten Spiel um Geld und Macht. Und es ist nicht nur sein eigenes Leben, das bedroht wird.

Erste Sätze:
Harry glitt durch das Menschengewimmel der morgendlichen Rushhour wie eine Haifischflosse durch Wasser. Ich folgte ihm in zwanzig Meter Abstand auf der anderen Straßenseite, schwitzend wie alle anderen in dieser für den Oktober in Tokio untypischen Hitze, und staunte, wie gut der Junge umsetzte, was ich ihm beigebracht hatte. Beweglich wie Quecksilber nutze er die kleinste Lücke, bevor sie sich wieder schließen konnte, und wich jedem drohenden Engpass rechtzeitig aus.

Meine Meinung:
John Rain ist ein Auftragskiller - und seine Spezialität sind natürlich aussehende Tote. Sein letzter Auftrag war es einen japanischen Beamten, der in Korruption verwickelt war und damit an die Öffentlichkeit gehen wollte, zu töten. Was ihm auch problemlos gelingt. Zumindest auf den ersten Blick. Doch dann lernt er zufällig die Tochter seines Opfers kennen, welche von verschiedenen Leuten verdächtigt wird eine CD ihres Vaters zu verstecken und deshalb in Lebensgefahr schwebt. Rain versucht ihr zu helfen und muss sich dadurch einigen Geistern seiner Vergangenheit stellen.

Es ist eigentlich erstaunlich, wie sympathisch John Rain wirkt, wenn man seine Berufswahl bedenkt. Aber der Autor versteht es geschickt ihm eine Hintergrundgeschichte zu geben, die seinen Werdegang verständlich erscheinen lässt. Und mit seinen Regeln, was für Aufträge er annimmt, hat er mich ein wenig an Dexter erinnert - auch wenn es andere Regeln sind.
Abgesehen von Rain bleiben die Personen aber recht blass und man erfährt nicht allzu viel über sie beziehungsweise nicht genug um eine Verbindung zu ihnen aufbauen zu können. Gerade bei Midori fand ich das recht schade, denn sie nimmt doch eine größere Rolle in der Handlung ein.

Die Handlung selbst ist spannend, wenn auch manchmal die Achtionszenen und Rains Glück oder die dumme Fehler der Bösen, je nachdem wie man es nennen will, etwas zu viel des Guten sind um noch wirklich glaubwürdig zu sein. Aber auch wenn man diese Teile nicht wirklich ernst nehmen kann, so sind sie doch sehr unterhaltsam zu lesen.

Besser gelingt es ihm dafür die Atmosphäre der verschiedenen Teile Tokios und die Besonderheiten Japans darzustellen und für Nicht-Japaner zu erklären. Es gibt immer wieder geschickt in Handlung eingeflochtene Erklärungen, die sehr interessant und informativ sind.

Ein im großen und ganzen gelungener Auftakt zu einer spannenden Reihe und auch recht gut in sich abgeschlossen. Kein Meisterwerk, aber ein solider Thriller in doch eher ungewohnter Umgebung, der Lust macht auf die Folgebände aber auch Raum für Verbesserungen bietet.

Allerdings würde mich sehr interessieren, was sich der Verantwortliche für den deutschen Titel dabei gedacht hat. Den der erste Auftrag für Rain ist dies überhaupt nicht, sondern nur der bis dahin letzte von vielen. Wie hätte er sich sonst auch schon einen Ruf als Spezialist für scheinbar natürliche Tode erarbeiten können, wenn er noch nicht getötet hätte?