
Originaltitel: Torture the Artist
Übersetzer: Hans M. Herzog, Matthias Jendis
Taschenbuch, 432 Seiten
Diogenes, 2005
ISBN: 3-257-86122-2
Beschreibung:
Foster Lipowitz hat alles erreicht. Sein Unterhaltungsimperium hat das Land mit zynischen Soaps, seichten Songs und filmischen Werken, die Titel tragen wie „Blood Lust 1 –4“, förmlich überzogen. Nun, da der Krebs ihn rasch dahinrafft, wandelt der Medienmogul sich vom Saulus zum Paulus. Die wenige ihm verbleibende Zeit soll der Schaffung wahrer Werte dienen. Im tiefsten Indiana gründet er „New Renaissance“, eine Eliteschule, an der junge Künstler förmlich gezüchtet werden sollen. Der siebenjährige Vincent Spinetti, ein schriftstellerndes Wunderkind, ist einer der Besten!
Da, wie die Legende weiß, nur großes Leid große Kunst gebiert, bekommen die Schüler eine Art schwarzen „Schutzengel“ an ihre Seite gestellt. Über Vincent wacht von nun an Harlan Eiffler als Manager darüber, dass seinem Schützling Vincent auf dem Weg zum Genie nicht allzu wohl wird. Alles um der Kunst willen, versteht sich.
Erste Sätze:
Tut mir leid, daß Du es ausgerechnet von mir erfährst, aber du wirst nie glücklich sein. Ich will Dir damit nicht weh tun, ich will es Dir einfach sagen, weil ich es nur anständig finde, daß ich ehrlich zu Dir bin, ehe wir anfangen. Ich hoffe, Du weißt das zu schätzen, denn von nun an wird keiner mehr anständig oder ehrlich zu Dir sein.
Meine Meinung:
Vincent ist künstlerisch sehr begabt. Deswegen bekommt er auch schon mit 7 Jahren ein Stipendium für eine Schule, in der vor allem Wert auf die künstlerische Ausbildung gelegt wird. Und schon nach wenigen Jahren wird ihm en Manager, Harlan, zur Seite gestellt, der ihm helfen soll eine Werke, vor allem Liedtexte und Skripts zu TV-Serien, zu verkaufen. Doch das ist nur die eine Seite der Geschichte. Denn zu Harlans Aufgaben gehört es auch dafür zu sorgen, dass Vincent nicht glücklich ist - denn nur wer leidet, kann wahre Kunst erschaffen.
Der Autor benutzt eine sehr sarkastische Sprache und einen schwarzen Humor, was ich herrlich erfrischen und wunderbar zu lesen fand. Ebenso wie die Methode viele Personen vor allem durch das Nennen von Lieblingsfilm, -serie und -musiker zu charakterisieren. Das klingt im ersten Moment wahrscheinlich total schräg, aber ich musste mit Verwunderung und Faszination feststellen, dass das echt genügt hat (zumindest soweit ich die Titel kannte) um mir ein grobes Bild von der Person zu machen.
Allerdings gehen die meisten auch nicht weit über diese Beschreibung hinaus. Wirklich kennen gelernt habe ich meinem Gefühl nach nur Vincent und Harlan. Aber auf diesen beiden und ihrem Zusammenspiel beruht auch die komplette Handlung.
In der Mitte fand ich die Handlung etwas zäh, da sich das gleiche Muster - Vincent fängt an glücklich oder zumindest zufrieden mit seinem Leben zu sein, Harlan greift ein, Vincent ist todunglücklich und schreibt ein Meisterwerk - mehrmals wiederholt, ohne dass es zu irgendeiner Änderung bei den Protagonisten führt. Der Anfang und das Ende sind da deutlich besser gestaltet.
Interessanter als die Handlung und erzählte Geschichte an sich fand ich die darin eingebaute Gesellschafts- und Medienkritik. Auch wenn das Buch im Original aus dem Jahre 2004 stammt, sind die Kritikpunkte noch sehr aktuell und zutreffend. Eine Empfehlung für alle, die sich ohne ein Sachbuch lesen zu wollen, einige Gedankenanstöße über die aktuelle Mediensituation holen möchten.
Vor 2 Stunden

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